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Seite 2 von 2 Ablass - näher betrachtet ...
Eine der tragendsten Säulen für den Ablass ist gewiss die Aufgliederung bzw. Differenzierung der Sündenfolgen in die sogenannten "ewigen" - und "zeitlichen Sündenstrafen". Das diese grundlegende Unterscheidung neben anderen Dingen Voraussetzung für das Verständnis des Ablasses ist, bestätigt auch die katholische Kirche wenn sie sagt: [1472] Um diese Lehre und Praxis der Kirche zu verstehen, müssen wir wissen, daß die Sünde eine doppelte Folge hat. Die schwere Sünde beraubt uns der Gemeinschaft mit Gott und macht uns dadurch zum ewigen Leben unfähig. Diese Beraubung heißt "die ewige Sündenstrafe". Andererseits zieht jede Sünde, selbst eine geringfügige, eine schädliche Bindung an die Geschöpfe nach sich, was der Läuterung bedarf, sei es hier auf Erden, sei es nach dem Tod im sogenannten Purgatorium [Läuterungszustand]. Diese Läuterung befreit von dem, was man "zeitliche Sündenstrafe" nennt. Diese beiden Strafen dürfen nicht als eine Art Rache verstanden werden, die Gott von außen her ausüben würde, sondern als etwas, das sich aus der Natur der Sünde ergibt......
[1473] Die Sündenvergebung und die Wiederherstellung der Gemeinschaft mit Gott bringen den Erlaß der ewigen Sündenstrafen mit sich. Zeitliche Sündenstrafen verbleiben jedoch. Der Christ soll sich bemühen, diese zeitlichen Sündenstrafen als eine Gnade anzunehmen, indem er Leiden und Prüfungen jeder Art geduldig erträgt und, wenn die Stunde da ist, den Tod ergeben auf sich nimmt. Auch soll er bestrebt sein, durch Werke der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe sowie durch Gebet und verschiedene Bußübungen den "alten Menschen" gänzlich abzulegen und den "neuen Menschen" anzuziehen [Vgl. Eph 4,24].
Die katholische Kirche verlässt hier aus meiner Sicht einmal mehr den biblischen Boden indem sie lehrt, das Gott strafgerichtliche Methoden nicht nur hinsichtlich jener Menschen anwendet, welche Gottes Versöhnung in seinem Sohn zeitlebens ablehnten, sondern auch hinsichtlich jener Erlösten, die zu Gott zurückgekehrt sind und - versöhnt durch den Sohn Gottes, Kinder des himmlischen Vaters wurden. Jesus spricht: "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen."
Die katholische Kirche hingegen lehrt, dass Gott den Menschen zwar vergibt - gleichzeitig aber auch ein gewisses Strafmaß an ihnen lässt, welches in weiterer Folge vom Menschen selbst mittels "guter Werke", Leiden oder andere Methoden abgetragen werden muss. Solche Gedanken hegen ebenso die meisten heidnische Religionen. Dem biblisch-christlichen Glauben ist diese Handlungsweise Gottes dahingegen völlig fremd, denn Gott stellt sich uns in seinem Wort völlig anders vor! Ein eindrückliches Beispiel dazu finden wir im Gleichnis des verlorenen Sohnes.
Hier nur ein Auszug dazu aus dem Lukasevangelium: Wenn die katholische Kirche nun lehrt, Gott würde "ewige Sündenstrafen" zwar vergeben, gleichzeitig aber auch noch "zeitliche Sündenstrafen" am Menschen anhängen lassen, so widerspricht sie damit nicht nur Gott in der Zusage seiner völligen Vergebung aus Jeremia 31,34 wo geschrieben steht: "Denn sie werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen, spricht der HERR; denn ich werde ihre Missetat vergeben und an ihre Sünde nicht mehr gedenken!". Sie stellt darüber hinaus Gott auch in einer ganz anderen Weise dar, als ER sich selbst uns in der Bibel vorstellt. Würde Gott hinsichtlich seiner Vergebung tatsächlich so handeln, wie die katholische Kirche es zu lehren versucht, so müsste auch jenes Gleichnis vom verlorenen Sohn entsprechend neu geschrieben werden. Der Ausgang des katholisch-angepassten Gleichnisses zum verlorenen Sohn müsste demnach etwa wie folgt aussehen ....
Der verlorene Sohn aus Lukas nach "katholischer Lesart":
Wenn wir umkehren und zu Gott zurückkommen, weil wir schmachten und erkannt haben, dass wir Schuld vor Gott auf uns geladen haben weil wir ein Leben ohne unseren Schöpfer gegangen sind, dann steckt Gott uns in kein Knechtsverhältnis, wo wir dann unsere Schulden abarbeiten müssen - sondern er empfängt uns vielmehr so, wie er es uns in seinem Gleichnis vom verlorenen Sohn vor Augen führt. Er nimmt uns an als sein Kind und nimmt uns mit hinein in eine vertrauensvolle und väterliche Beziehung mit ihm.
Die Bibel gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Gott dem Menschen nach seiner Vergebung noch Sündenstrafen auferlegt, welche er selbst abzutragen hätte. Ganz im Gegenteil! Auch hat Jesus nie von Menschen etwaige "gute Werke" oder Leiden als Sühnung bzw. als Ausgleich für ihre Sündenschuld gefordert.
Die ganze Bibel weist hinsichtlich Vergebung IMMER einzig und allein auf den Messias - auf den Erlöser hin!!! Der Gedanke, dass der Mensch selbst durch eigene Bemühungen oder Leiden zur Sühnung von Schuld beitragen könnte ist der Bibel völlig fremd! Dieses ist vielmehr zentrales Gedankengut heidnischer Religionen - wo ich persönlich daher auch die Herkunft dieser Dinge vermute. Diese falsche Lehre einer teilweisen Vergebung stützt daher in weiterer Folge zwar den katholischen Ablass - findet aber unmöglich Eingang in das Wort Gottes ohne dort gleichzeitig größte Widersprüche hervorzurufen. Was aus dem bisher gesagten nun bereits erkennbar wurde ist die katholische Lehre darüber, dass Gott dem Menschen zwar vergibt - der Mensch aber dennoch ein "überzogenes Konto" einbehält, welches als Folge seiner Sünden mit "zeitlichen Sündenstrafen" belastet ist. Die katholische Kirche hält ihre Mitglieder nun dazu an, das "Konto" ihrer "zeitlicher Sündenstrafen" durch verschiedene Methoden vorzugsweise noch in diesem Erdenleben so weit wie möglich abzutragen, um dann im Idealfall mit "ausgeglichenem Konto" nach dem Tod sofort in den Himmel eingehen zu können. Im Blick auf diesen Idealfall knüpft die katholische Kirche nun an und setzt den Gedanken dahingehend weiter fort, das bei besonders viel Verdiensten aufgrund "guter Werke" oder Leiden während des Erdenlebens, gelegentlich auch "Verdienstüberschüsse" erworben werden können. Das sind nach katholischem Verständnis genau genommen jene Verdienste, welche über jenes Maß hinausgehen - welche zum Ausgleich des eigenen "Sündenstrafkontos" nötig gewesen wären. Solche "Verdienstüberschüsse" stellen nach allgemeiner katholischer Meinung eher die seltene Ausnahme als die Regel dar. Die nach dem Tod einzelner Katholiken dennoch manchmal angeblich vorhandenen "Verdienstüberschüsse" gelangen auf ein "Sammelkonto" - dem sogenannten "Kirchenschatz".
Zu diesem "Kirchenschatz" lehrt die katholische Kirche:
[1477] "Außerdem gehört zu diesem Schatz auch der wahrhaft unermeßliche, unerschöpfliche und stets neue Wert, den vor Gott die Gebete und guten Werke der seligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen besitzen. Sie sind den Spuren Christi, des Herrn, mit seiner Gnade gefolgt, haben sich geheiligt und das vom Vater aufgetragene Werk vollendet. So haben sie ihr eigenes Heil gewirkt und dadurch auch zum Heil ihrer Brüder in der Einheit des mystischen Leibes beigetragen" Hier nähern wir uns nun der Zielgeraden und man mag bereits erkennen, worauf es hinauslaufen wird....
Da ist auf der einen Seite ein angeblich "überreich gefülltes Sammelkonto" mit angeblichen Verdienstüberschüsse von Jesus, Maria und einer Vielzahl von "Heiligen" - auf der anderen Seite sind Menschen mit mehr oder weniger hoch angehäuften "Sündenstrafkonten", oder auch "arme Seelen" im "Fegefeuer" - welche eben wegen ihrer noch nicht vollständig abgetragenen "Sündenstrafenkonten" an diesen Ort Leiden und Qual ertragen müssen.
Die katholische Kirche lehrt dieses in ihren eigenen Worten wie folgt:
[1479] Da die verstorbenen Gläubigen, die sich auf dem Läuterungsweg befinden, ebenfalls Glieder dieser Gemeinschaft der Heiligen sind, können wir ihnen unter anderem dadurch zu Hilfe kommen, daß wir für sie Ablässe erlangen. Dadurch werden den Verstorbenen im Purgatorium für ihre Sünden geschuldete zeitliche Strafen erlassen.
Das die katholische Kirche diese "Sonderdienstleistungen" bezüglich der Verwaltung und Vermittlung dieser angeblich auf "hoher Kante" liegenden Verdienste nicht immer kostenlos anbot - sondern lange Zeit im Rahmen des mittelalterlichen Ablasshandels auch kräftigst dafür abkassierte, ist allgemein bekannt. Daher möchte ich darauf auch nicht mehr weiter eingehen. Ungleich schwerwiegender als die Tatsache, das gutgläubige Menschen für Ablasszettel oft viel Geld ausgaben, scheint mir ohnehin der Umstand, das diese Menschen darüber hinaus auch umsonst ihre Hoffnungen daran klammerten und den Betrug wohl meist erst merkten, als es bereits zu spät war. Das Hauptproblem eines bleiernen Rettungsrings ist schließlich auch nicht ein eventuell hoher Preis, sondern vielmehr der Umstand, das er im Einsatzfall dann eben nicht schwimmt.
Wer reumütig und im vollen Bewusstsein seiner Schuld zu Gott zurückkehrt und Gottes vollkommene Vergebung durch die Sühnung der Sünden im vergossenen Blut und im stellvertretenen Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz vertrauensvoll im Glauben annimmt, der erfährt vollkommene Vergebung - gleichwie Jesus es uns im Gleichnis vom verlorenen Sohn vor Augen führt. Sind wir auf diese Weise zum Leben gelangt, dann haben wir in Jesus einen Mittler bei Gott welcher sich für uns einsetzt. Wenn wir in unserer Schwäche wieder fallen und sündigen, so dürfen wir wieder aufstehen und haben das Privileg, mit unserer Sünde direkt zu Jesus zu kommen, um diese vor IHM zu bekennen und dadurch wieder frei zu werden von aller Schuld.
Darum weiss ich, das ich weder "Kirchenschatz" noch Ablass brauche, weil Gott mir die Sühnung für meine vor IHM bekannten Sünden durch sein Wort, und nicht durch einen Ablass zuspricht. Ich nehme diese im vertrauenden Glauben an sein Wort an, und nicht durch das Erfüllen von Satzungen und Regelungen welche von Menschen aufgestellt wurden. JESUS SELBST als der Hohepriester bedeckt meine Sünden mit seinem vergossenen Blut und macht mich so trotz meiner Sünden annehmbar von Gott in seiner Heiligkeit.
Das die katholische Kirche es verständlicherweise nun nicht so gerne sieht, wenn Menschen ihre diesbezüglichen "besonderen Dienstleistungen" in biblisch begründender Weise zurückweisen und ablehnen, ist verständlich. Wie sie dazu offiziell Stellung nimmt, wird in einem Dokument aus dem Jahr 1967 ersichtlich: "Die heilige Kirchenversammlung lehrt und gebietet, daß der Gebrauch von Ablässen ... beibehalten werden muss. Und sie verurteilt diejenigen mit Ausschluß, die sie für unnütz erklären oder die der Kirche das Recht absprechen, sie zu verleihen"
Ich möchte dich nun abschließend einladen, die Bibel zur Hand zu nehmen und zu prüfen! Vertraue in Fragen der Ewigkeit nicht ungeprüft auf Menschen, sondern prüfe sowohl meine Aussagen als auch die Lehre der katholischen Kirche. Du kannst dich vor dem Richterstuhl Gottes nicht auf Menschen berufen, denn Gott hat dir sein Wort gegeben, an welchem du hättest prüfen und die Wahrheit herausfinden können. Bring dich nicht in die Situation, wo du einst vor Gott sagen musst: "Ich habe eben blind vertraut." oder "Ich hatte keine Zeit zu prüfen." oder gar "Es hat mich einfach nicht interessiert."
In Jeremia 29,13 gibt Gott uns ein großes und wunderbares Versprechen ...
Gerne würde ich auch deine Meinung zu dem hier Geschriebenen lesen.
Reinhold Keinberger |
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